«Moderne Technik kann gute Türen ergänzen, aber nicht ersetzen»

«Moderne Technik kann gute
Türen ergänzen, aber nicht ersetzen»
Ein Interview aus Versicherungssicht mit Tanya Hauser und Miriam Hürster, beide Senior Innovation Manager bei Zurich Schweiz.


Welches sind aktuelle Trends beim Thema
Smarthome?

Tanya Hauser: Es gibt zahlreiche Anwendungsbereiche
für die Smarthome-Technologie.
Moderne Technik sorgt für mehr Sicherheit
im Haus, beispielsweise durch Überwachungselemente.
Sie verschafft den Liebsten
zusätzliche Sicherheit, etwa durch Notruffunktionen.
Smarthome-Technik unterstützt
beim altersgerechten Wohnen und erinnert
etwa daran, wann die nächste Tablette fällig
ist. Ausserdem sorgt sie für mehr Bequemlichkeit
– wenn ich beim Einkaufen einen elektronischen
Blick in den Kühlschrank werfe und
schnell nachschaue, ob es allenfalls noch
Milch braucht. Oder wenn ich die Beleuchtung
im Wohnzimmer ganz bequem per Handy
auf meine Stimmung anpassen kann.


Wie lässt sich durch moderne Technik die
Einbruchgefahr verringern?

Miriam Hürster: Einerseits werden die konventionellen
Alarmanlagen zunehmend digitalisiert,
andererseits gibt es neue Angebote.
So ist es denkbar, dass ich die gesamte
Haustechnik inklusive Beleuchtung über eine
App steuere, meine Haustür per Fingerabdruck
bediene und übers Handy meine Fensterstoren
öffne und schliesse. Doch eine solche
Technik geht vielen Menschen noch zu
weit. Für sie sind möglicherweise Sensoren
an Fenster und Türen interessanter, die melden,
wenn sich jemand am Haus zu schaffen
macht. Egal, wie offen jemand für Smart–
home-Technik ist: Sie kann immer nur eine
schöne Ergänzung zum mechanischen Einbruchschutz
sein. Denn nach wie vor bieten
gute Türen und Fenster den besten Schutz
gegen Einbrecher.


Entstehen durch die neue Technik auch
neue Risiken?

Miriam Hürster: Bei solchen Lösungen gerät
man relativ stark in Abhängigkeit von der
Technik. Ausserdem gibt es heute zahlreiche
verschiedene Standards auf dem Markt. Es
ist gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten:
Wofür will ich Smarthome nutzen?
Und wie setze ich dieses richtig auf, wenn
ich mich für eine Lösung mit vielen Individualisierungsmöglichkeiten
entscheide? Umso
wichtiger ist es, gerade bei sicherheitsrelevanten
Themen wie Kameras oder Smart
Locks auf einen seriösen, renommierten Anbieter
zu setzen. Eine andere Herausforderung
sind Fehlalarme: Schliesslich will niemand,
dass die Aussenkamera bei jeder Katze
anschlägt – das lässt sich mit der passenden
Kamera vermeiden. Eine andere Frage ist, ob
jemand wirklich das Bewachungssystem sehen
möchte, oder ob ihn diese Bilder bis in
die Träume verfolgen werden – dann macht
eventuell eher ein Konzept mit einer Alarmzentrale
Sinn. Eine Kameraüberwachung des
Umfelds kann auch datenschutzrechtlich heikel
sein. Kurzum: Bei Convenience-Themen
wie etwa dem Lichtkonzept macht es vielen
Menschen Spass, selbst etwas auszuprobieren,
aber beim Thema Sicherheit empfehlen
wir, sich unbedingt von einem Experten beraten
zu lassen.


Welche Auswirkungen hat das Thema
Smarthome auf die Hausratversicherung?

Tanya Hauser: Aktuell sind die Auswirkungen
noch nicht so gross. Wir sehen bislang weder
einen signifkanten Rückgang der Schäden
dank Smarthome-Technik, noch beklagen wir
deswegen viele neuartige Schäden. Ohnehin
ist Einbruch nur eines von mehreren Risiken,
vor denen man sich mit der Hausratversicherung
schützt. Wir rechnen aber damit, dass es
Die Smarthome-Technik kann eine sinnvolle Ergänzung zum mechanischen Einbruchschutz
darstellen und gleichzeitig das Leben im Haus angenehmer machen.
künftig noch mehr Versicherungslösungen
geben wird, welche die reine Absicherung im
Schadenfall zusätzlich mit sinnvollen Präventionsdienstleistungen
verknüpfen.